Zum Start der 11. Berliner Woche der Seelischen Gesundheit und anlässlich des Weltkongresses der Psychiatrie in Berlin (WPA) veranstaltete das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) eine öffentliche Auftaktveranstaltung im Maison de France am Kudamm. Mehr als 150 Besucher waren gekommen, um sich über das Thema der Aktionswoche – die seelische Gesundheit in der digitalen Welt – zu informieren. Bestseller-Autor Prof. Manfred Spitzer eröffnete den Abend mit einer spannenden Keynote zum Thema „Digital Detox – einfach mal abschalten“. Er schilderte dabei sehr eindrücklich die gesundheitlichen Risiken und Gefahren, denen vor allem Kinder und Jugendliche bei übermäßigem Gebrauch von Smartphone und co ausgesetzt sind.

In der anschließenden Expertenrunde unter der Leitung von Juliane Zielonka diskutierten ausgewiesene Fachleute auf dem Gebiet der seelischen Gesundheit zum Teil sehr kontrovers darüber, ob die neuen Technologien Fluch oder Segen für die Nutzer bedeuten. So betonte Dr. Iris Hauth, ärztliche Direktorin des Alexianer St. Joseph-Krankenhaus Berlin-Weißensee und Initiatorin der Berliner Aktionswoche, die Vorteile von E-Mental-Health Angeboten und Online-Therapien für die bessere Behandlung psychischer Erkrankungen. Burnout-Experte Prof. Andreas Hillert aus München legte den Fokus auf die Risiken der digitalen Arbeitswelt, die durch ständig wachsende Überreizung ganze Berufsgruppen in die seelische Erschöpfung treibt. Laut einer aktuellen Studie hat bereits jeder fünfte Arbeitnehmer das Gefühl, innerlich ausgebrannt zu sein. Die Frage, ob die digitale Entgiftung die Lösung aller Probleme darstellt, konnte nicht eindeutig beantwortet werden. Prof. Nina Romanczuk-Seiferth, Projektleiterin der AG Spielsucht an der Charité, plädierte vielmehr für einen bewussten und achtsamen Umgang mit den neuen Medien. Diese Kompetenz muss jedoch erlernt und vor allem jungen Menschen so früh wie möglich vermittelt werden.

Die Berliner Aktionswoche wird seit ihrer Gründung 2006 vom Berliner Senat finanziell unterstützt. Auch die Aktion Mensch hat die Auftaktveranstaltung im Rahmen ihrer Förderaktion „Noch viel mehr vor“ mitfinanziert. Zum Abschluss des Abends spielte der Musiker Martin Kolbe eine Auswahl seiner „Songs from the Inside“, in denen er seine Erfahrungen mit einer bipolaren Erkrankung künstlerisch verarbeitet.  


Der Musiker Martin Kolbe bei seinem Auftritt im Maison de France


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