Am 29. November veranstaltete die DGPPN in Zusammenarbeit mit dem Aktionsbündnis Seelische Gesundheit das dritte öffentliche Event im Rahmen des eMEN-Projekts in Deutschland. Wie im vergangenen Jahr war das Seminar in den jährlichen DGPPN Kongress eingebettet und zog als eines der Highlights im Programm rund 180 interessierte Teilnehmer*innen an. Im Fokus der Veranstaltung standen die unterschiedlichen politischen und rechtlichen Bedingungen für die Nutzung und Implementierung der E-Mental-Health-Angebote in den nordwesteuropäischen Partnerländern. Impulse hierfür boten die ersten Ergebnisse der eMEN-Arbeitsgruppe, die überregionale Empfehlungen für geeignete Rahmenbedingungen für die Implementierung erarbeitet. Wie auf den vergangenen Veranstaltungen waren im Publikum wieder Experten, Betroffene und Entwickler*innen vertreten.

Sieben Unternehmen präsentierten im Start-Up-Slam ihre innovativen Anwendungen aus verschiedenen Bereichen der psychosozialen Versorgung. Die Veranstaltung bot den Teilnehmer*innen darüber mit einem kleinen Start-Up-Markt im Foyer der Veranstaltung hinaus Gelegenheit, erste Erfahrungen in der Anwendung der Programme zu sammeln, die Produkte vor Ort direkt auszuprobieren und mit Anbietern und Entwicklern ins Gespräch zu kommen.

Professor Dr. Wolfgang Gaebel, Vorsitzender des ABSG, stellte als Leiter der eMEN-Arbeitsgruppe „Transnational Policy Solution for E-Mental Health Implementation“ erste Ergebnisse der Gruppe vor. Überblicksartig zeigte er die unterschiedlichen rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen für die Implementierung von E-Mental-Health-Angeboten in den Partnerländern auf. Er machte deutlich, welche speziellen Hürden in der Umsetzung zu nehmen sind. Insgesamt stellte er fest, dass die Aktivitäten in allen Partnerländern rund um das Thema E-Mental-Health zunehmen wie z.B. Forschungs- oder Modellprojekte. Am Beispiel erfolgreicher internationaler Projekte fasste er die „lessons learned“ zusammen und gab einen Ausblick auf die notwendigen Handlungsfelder, die für die Übertragung in die Regelversorgung notwendig sind. Professor Gaebel befürwortete einen umfassenden, multidisziplinären und strategischen Ansatz, der die vielfältigen Herausforderungen berücksichtigt. Hierfür setzt sich auch das eMEN-Projekt ein. 

Eine Zusammenfassung aller Vorträge der Veranstaltung finden Sie hier: www.dgppn.de/schwerpunkte/e-mental-health/emen20181129.html

Das Seminar wurde im Rahmen des von der EU kofinanzierten Projektes eMEN durchgeführt. Mehr Informationen zu den Zielen, Veranstaltungen und den Partnern von eMEN finden Sie unter: www.nweurope.eu/emen

 

 

 

 

Dem Bundestag liegt aktuell das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) zur Abstimmung vor. Im Kabinettsentwurf des TSVG wurde kurzfristig ein Zusatz zum § 92 Abs. 6a SGB V eingeführt. Er sieht eine „gestufte Steuerung“ von hilfesuchenden psychisch kranken Menschen vor: Ausgesuchte Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen, deren Qualifikation erst noch durch den G-BA definiert werden soll, sollen zukünftig in Voruntersuchungen entscheiden, welchem Hilfs- bzw. Therapieangebot die Betroffenen zugeführt werden. Damit würde der freie Zugang der Patient*innen zur Psychotherapie erheblich eingeschränkt werden. Es wird ausgerechnet für Menschen, die in den psychotherapeutischen Praxen oft über enorme seelische Belastungen sprechen, eine zusätzliche Hürde vor ihrer Behandlung geschaffen.

Zahlreiche Therapeuten- und Selbsthilfeverbände rufen daher zur Unterschrift einer Petition auf, die den Bundestag auffordert, den Gesetzentwurf abzulehnen und an das zuständige Fachministerium zurück zu verweisen. Ziel ist, dass der Zusatz zum § 92 (6a) im TSVG ersatzlos gestrichen wird. Gezeichnet werden kann von jedem, der dieser Petition zustimmt – bis zum 13. Dezember.

Link zur Petition:

https://epetitionen.bundestag.de/content/petitionen/_2018/_10/_25/Petition_85363.html

 

 

 

Diskussionsrunde zum Umgang mit Einsamkeit.

Das Problem zieht sich durch die gesamte Gesellschaft und durch alle Altersgruppen. Aber niemand gibt gerne zu, dass er einsam ist. Der Weg in die Einsamkeit ist selten selbst gewählt, sondern in der Biographie eines Menschen begründet. Krankheit und gesellschaftliche Entwicklungen können ihrerseits zu einem verstärkten Gefühl von Einsamkeit bei jedem Einzelnen beitragen. Mit der Scham und der Angst, die daraus folgt, ist jeder mit sich noch mehr alleine. Darüber wollen wir mit unseren Experten reden: Was passiert, wenn Seele und Körper in die Isolation gehen, bis sie krank werden?

Uns interessiert:

  • Macht Einsamkeit krank oder führt Krankheit in die Einsamkeit?

  • Was bedeutet Einsamkeit für die psychische Gesundheit?

  • Was hilft, wenn Einsamkeit droht? Wie kann ich mich davor schützen?

  • Vereinsamt unsere Gesellschaft und was lässt sich dagegen tun?

  • Brauchen wir auch in Deutschland ein „Einsamkeitsministerium“?

 

Einsamkeit— nur ein subjektives Gefühl? In jedem Fall aber ein Ausdruck für ein Ungleichgewicht zwischen tatsächlichen und gewünschten sozialen Beziehungen. Einsamkeit kann entstehen, wenn ich weniger enge Bindungen habe, als ich mir wünsche, und Einsamkeit kann chronisch werden sowie die Psyche krank machen. Auch eine schwere Krankheit, Stress, Lärm und Anonymität können zur Vereinsamung führen und zum Risikofaktor für die psychische Gesundheit werden.


Darüber wollen wir sprechen mit

  • Arno Deister (Moderation)
    Psychiater und Präsident der DGPPN

  • Viktor Staudt
    Betroffener

  • Mazda Adli
    Psychiater und Stressforscher

  • Eva-Lotta Brakemeier
    Psychologin und Verhaltenstherapeutin


Der Eintritt ist frei.

Nähere Informationen: www.dgppn.de

 

 

„Gelebter Trialog – Best Practice und gemeinsames Engagement“ lautete das Motto der Jahrestagung 2018 des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit am 25. Oktober. Auch diesmal trafen sich wieder zahlreiche der über 100 Bündnispartner in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin, um spannende Impulsvorträge zu neuen Projekten aus dem Netzwerk zu hören und am Nachmittag die Inhalte in drei verschiedenen Themenworkshops zu vertiefen.

Die stellvertretende Vorsitzende des Aktionsbündnisses, Gudrun Schliebener (BApK), begrüßte die Teilnehmer und verwies auf die erfolgreiche Anti-Stigma– und Öffentlichkeitsarbeit des Bündnisses in diesem Jahr. Dazu hat vor allem die vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte Social Media Kampagne beigetragen, die mittlerweile über 10 000 Follower hat. Besonders erfreulich ist auch die positive Entwicklung der Mitgliederzahlen. In diesem Jahr konnte der 100. Bündnispartner begrüßt werden. Aktuell sind es schon 105 engagierte Organisationen aus Selbsthilfe, Gesundheitsförderung und Versorgung, die sich bundesweit den Zielen des Aktionsbündnisses angeschlossen haben. Als Träger des Bündnisses schickte auch die DGPPN ein Grußwort ihres Präsidenten Prof. Arno Deister an die Teilnehmer der Jahrestagung. 

Die Koordinatorin Birgit Oehmcke gab einen kurzen Bericht aus der Geschäftsstelle mit einem Rückblick über alle wichtigen Aktionen und Veranstaltungen des Jahres. Ein besonderes Highlight war die 12. Aktionswoche der Seelischen Gesundheit mit dem  Schwerpunktthema „Gestresste Gesellschaft – was tun?“. Wie aktuell diese Frage derzeit ist, zeigte sich an der ungewöhnlich großen Beteiligung: allein in Berlin standen 260 Veranstaltungen auf dem Programm, von denen sich die meisten mit dem Dauerthema Stress und seiner Bewältigung beschäftigten.  

Im Anschluss stellten sich vier neue Mitglieder aus dem Aktionsbündnis vor:

  • Shirley Hartlage informierte die Teilnehmer über den Verein Waage e.V., das Fachzentrum für Essstörungen aus Hamburg.
  • Susanne Ackers von exPEERienced e.V. präsentierte die Arbeit ihres Vereins für selbst betroffene Genesungsbegleiter.
  • “Wir wechseln unser Label jedes halbe Jahr, damit es nicht zum Stigma wird”, so das Motto des Vereins Kellerkinder e.V., der von Thomas Künnecke vorgestellt wurde.
  • Luise Caesar von der Charité präsentierte PSY-Care, eine neue Versorgungsinitiative zur Unterstützung älterer Pflegebedürftiger mit depressiver Verstimmung

Es folgten vier spannende Impulsvorträge zu Best Practice Projekten aus dem Bündnis. Den Anfang machten die Freunde fürs Leben e.V. Der Vorsitzende Gerald Schömbs gab einen Überblick über die aktuelle Kampagne zur Suizidprävention bei jungen Menschen. Christian Zechert vom Dachverband Gemeindepsychiatrie stellte das neue Inklusionsprojekt SOUL LALA vor. Uwe Wegener von Bipolaris e. V. und Martin Schultz vom Berliner Behindertenverband präsentierten DER LAUF & DER MARKT für seelische Gesundheit als Best Practice für neue trialogische Anti-Stigma-Formate. Julia Thimm, Social Media Managerin im Aktionsbündnis, gab ein Update zur Planung einer nationalen Aufklärungskampagne für seelische Gesundheit mit den Bündnispartnern in der AG "Grüne Schleife".

In der Pause hatten die Besucher Gelegenheit, die Ausstellung „Shit Show – a show about shitty feelings“ zu besuchen und sich bei den Machern über das innovative Konzept zu informieren. Im zweiten Teil der Veranstaltung konnten sie sich für einen von drei thematischen Schwerpunkten in den Arbeitsgruppen entscheiden. Im ersten Workshop mit dem Titel „Social Marketing – wie erreichen wir online unsere Zielgruppen?“ wurden zeitgemäße digitale Methoden der Öffentlichkeitsarbeit diskutiert. Im Workshop zum Thema „Trialog in Interaktion“ unter der Leitung von Martin Schultz wurden praktische Erfahrungen bei der Entwicklung innovativer Veranstaltungsformate ausgetauscht. Die Teilnehmer des dritten Workshops diskutierten über die weiteren Planungsschritte für eine nationale Aufklärungskampagne. Dabei wurden konkret erste Titelvorschläge und Einsatzmöglichkeiten für das Symbol der grünen Schleife besprochen.

Am Ende des Tages wurden die Ergebnisse aus allen Workshops zusammengefasst und ein positives Fazit der Jahrestagung 2018 gezogen, bei der vor allem die Vernetzung und der Austausch unter den Mitgliedern im Zentrum stand.    

Noch mehr Fotos finden Sie in unserer Galerie bei Facebook.

 

 

 


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