14.10.2026
18:30 – 19:30 Uhr
Typisch neurodivergent? Zur kulturellen Aneignung, medialen Inszenierung und viralen Verbreitung psychiatrischer Diagnosen
Präsenz
Vortrag | mit Diskussion
Barrierefreiheit
Psychologische Hochschule Berlin
Hörsaal der PHB, Am Köllnischen Park 2, 10179 Berlin
Ein Gespenst geht um in den sozialen Medien, das Gespenst der mentalen Gesundheit.
Unter einschlägigen Hashtags wie #MentalHealth, #SelfCare oder #Healing beschreiben immer mehr Menschen ihr Befinden mit psychopathologischen Begriffen. Psychiatrische Diagnosen, einst als Stigmata bekämpft, sind dadurch zu populären Selbstbeschreibungen geworden, die in einigen Milieus nicht mehr als pathologisierend, sondern als identitätsstiftend verstanden werden. Im Zentrum dieser Entwicklung stehen seit einiger Zeit die Diagnosen AD(H)S und Autismus.
Der Vortrag geht der Frage nach, was es mit dem Konzept der Neurodivergenz auf sich hat und warum ausgerechnet AD(H)S und Autismus in den letzten Jahren so präsent geworden sind. Die Antwort wird dabei nicht in der neuronalen „Wetware“ Einzelner, sondern im kulturellen „Betriebssystem“ der Gegenwart gesucht.
Anhand einschlägiger Memes, Social-Media-Posts und öffentlicher Stellungnahmen von Betroffenen und Expert:innen sowie eigener klinischer Erfahrungen wird untersucht, wie sich bestimmte Vorstellungen über AD(H)S, Autismus und Neurodivergenz verbreiten und zu vermeintlichen Gewissheiten verfestigen. Dabei sollen grundlegende Missverständnisse aufgezeigt und einige hartnäckige Mythen dekonstruiert werden, ohne das Leiden der Betroffenen infrage zu stellen. Ziel des Vortrags ist es vielmehr, dieses Leiden in ein neues, therapeutisch hilfreicheres Licht zu rücken.
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