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Am 29. November 2019 veranstaltete die DGPPN in Zusammenarbeit mit dem Aktionsbündnis Seelische Gesundheit die vierte öffentliche Veranstaltung im Rahmen des eMEN-Projekts in Deutschland. Wie im vergangenen Jahr war die eMEN-Konferenz in den jährlichen DGPPN Kongress eingebettet und zog als eines der Highlights im Programm rund 250 interessierte Teilnehmer an.

Vor dem Hintergrund, dass digitale Gesundheitsanwendungen ab dem Januar 2020 in Deutschland erstattungsfähig werden sollen, widmete sich diese öffentliche Veranstaltung den Fragen, welche technischen Innovationen gibt es im Bereich psychischer Gesundheit? Und wie kann man sie am besten einsetzen? Frau Dr. Hauth begrüßte die Teilnehmer im Namen des DGPPN-Vorstandes. Der Moderator Ralph Erdenberger (WDR 5) führte kurzweilig durch das ganztägige Programm.

Fr. Dr. HauthModerator Ralpf Illenberger (li.), Dr. James Wollard

Die Keynote-Vorträge vermittelten einen Ausblick auf die Schlüsseltechnologien in der Psychiatrie innerhalb der nächsten 20 Jahre (Dr. James Woollard, Psychiater und nationaler Fachberater für Digital Mental Health der NHS England), sowie einen Überblick über die Studienlage zur Wirksamkeit und dem Status-quo von E-Mental-Health in Deutschland (Prof. Brigit Wagner, Medical School Berlin) .

Darauf folgte ein Block zu rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen von E-Mental-Health in Deutschland. Mit AppQ stellte Dr. Johannes Bittner für die Bertelsmann Stiftung ein Gütekriterien-Kernset für mehr Transparenz bei digitalen Gesundheitsanwendungen vor. Dr. Henrik Matthies vom health innovation hub des Bundesministeriums für Gesundheit beschrieb den geplanten Weg für digitale Gesundheitsanwendungen in die Regelversorgung nach dem neuen Digitale-Versorgung-Gesetz (§ 33a, SGB V).  Danach stand Prof. Martin H. Stellpflug, Fachanwalt für Medizinrecht, Rede und Antwort zu ganz praktischen rechtlichen Fragen im psychotherapeutischen Alltag mit E-Mental-Health.

Nach der Mittagspause, die Gelegenheit gab auf einem Marktplatz verschiedene kleinere und mittlere Unternehmen aus dem Bereich E-Mental-Health kennenzulernen, folgten Vorträge zur praktischen Anwendung.  Dr. Peter Tonn stellte das Modell der ambulanten Versorgung mit Hilfe von digitaler Unterstützung in seinem neuropsychiatrischen Zentrum vor. Prof. Ulrich Voderholzer beschrieb ein E-Mental-Health-Konzept für die stationäre Versorgung. Prof. Jürgen L. Müller berichtete von fünf verschiedenen, sehr erfolgsversprechenden E-Mental-Health-Projekten in der Forensik in Göttingen. Zum Abschluss des Praxisblocks stellten sechs Start-ups in dreiminütigen Kurzvorträgen ihre innovativen Ideen zur Verbesserung der psychosozialen Versorgung vor (BfB Labs, Psydex, Myskills, eQuoo, Mindable, GET.ON). Außerdem auf dem Markplatz vertreten waren Interapy, KeepAppy, Pulso, Minddistrict, Mindpax, Moodbuster, Selfapy, Stopblues, Therapieland B.V. & Gezondeboel, vila health, Wellola Software und 7Mind. In den Pausen und beim anschließenden Get-together hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, erste Erfahrungen in der Anwendung der Programme zu sammeln, die Produkte vor Ort direkt auszuprobieren und mit den Anbietern und Entwicklern ins Gespräch zu kommen.

Start-UpsStart-Ups

Ein weiteres Highlight war die Präsentation mehrerer Innovationsfondsprojekte aus dem Bereich E-Mental-Health. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat den Auftrag, neue Versorgungsformen, die über die bisherige Regelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherung hinausgehen, und Versorgungsforschungsprojekte, die auf einen Erkenntnisgewinn zur Verbesserung der bestehenden Versorgung ausgerichtet sind, zu fördern. Zu diesem Zweck hat die Bundesregierung einen Innovationsfonds aufgelegt. Ziel des Innovationsfonds ist eine qualitative Weiterentwicklung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland. Auf der eMEN-Konferenz vorgestellt wurden vier aktuell geförderte Projekte: „PSYCHOnlineTHERAPIE“, ein Projekt zur Integration von Online-Interventionen in die ambulante Psychotherapie bei Patienten mit depressiven Störungen und Angststörungen; „HELP@APP“, die Entwicklung und Evaluation einer Selbsthilfe-App für traumatisierte syrische Flüchtlinge in Deutschland; „GET Sleep“, ein Stepped Care Modell für die Behandlung von Schlafstörungen und „OMPRIS“, ein onlinebasiertes Motivationsprogramm zur Reduktion des problematischen Medienkonsums und Förderung der Behandlungsmotivation bei Menschen mit Computerspielabhängigkeit und Internetsucht.

Podiumsdiskussion

Abschließend wurden die Experten auf dem Podium gefragt, was aus Ihrer Sicht unerlässlich sei für eine erfolgreiche Einbindung digitaler Innovationen in die psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung in Deutschland. Es gab darauf natürlich viele verschiedene Antworten zum Beispiel bräuchte es noch mehr Forschung in dem Bereich, noch größere rechtliche Sicherheit und Datenschutz oder einfach mehr Mut und Neugier für das Feld seitens der Ärzte und Psychotherapeuten. Einig waren sich alle, dass digitale Innovationen ein Instrument für die Verbesserung der Prävention und Behandlung psychischer Erkrankungen sein können und dieses Potential genutzt werden muss.

Wie auf den vergangenen eMEN-Veranstaltungen setzte sich das Publikum vor allem aus Ärzten und Psychotherapeuten, sowie Entwicklern zusammen. Aber auch Vertreter aus Politik, Betroffene und weiteres Fachpublikum war anwesend. Die Konferenz wurde im Rahmen des von der EU kofinanzierten Projektes eMEN durchgeführt. Mehr Informationen zu den Zielen, Veranstaltungen und den Partnern von eMEN finden Sie unter: www.nweurope.eu/emen.


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