Foto: Claudia Burger/DGPPN

Menschen mit psychischen Erkrankungen haben in Deutschland noch immer mit vielen Vorurteilen in ihrem beruflichen und privaten Umfeld zu kämpfen. Dagegen setzt der DGPPN Anti-Stigma-Preis ein Zeichen und würdigt seit 2002 Projekte und Initiativen, die sich für eine nachhaltige Integration der Betroffenen in die Gesellschaft engagieren. Heute werden die Preisträger im Rahmen des DGPPN Kongresses im CityCube Berlin ausgezeichnet.

Der DGPPN-Antistigma-Preis wird in Kooperation mit dem Aktionsbündnis Seelische Gesundheit und der Stiftung für Seelische Gesundheit zum 16. Mal verliehen. Er ist insgesamt mit 10.000 Euro dotiert. Die Jury unter Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Gaebel, Vorsitzender des Aktionsbündnisses, hat die vier Gewinner aus 32 Bewerbungen aus Forschung, Wirtschaft, Kultur und dem psychosozialen Bereich ausgewählt.

Der erste Preis geht an die Anti-Stigma-Kampagne Mecklenburg-Vorpommern, die eine bessere Teilhabe von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen am Arbeitsleben erreichen möchte. Initiator der Aktion mit Vorbildcharakter ist der Landesverband Sozialpsychiatrie e.V. Die preisgekrönte Kampagne wirbt mit humorvollen und originellen Botschaften auf Plakaten und Postkarten für mehr Offenheit im Umgang mit psychischen Erkrankungen in der Arbeitswelt. Sämtliche Materialien und die zeitgleich stattfindenden Workshops wurden in einer trialogisch besetzten Projektgruppe gemeinsam mit Betroffenen entwickelt. Martin Jantzen und Susanne Siebeck nehmen stellvertretend für den Landesverband die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung entgegen.

Auch dem zweiten Preisträger, dem Psychosozialen Trägerverein Sachsen e.V., liegt daran, möglichst viele Menschen auf niedrigschwellige Art und Weise über psychische Erkrankungen aufzuklären. Bei der Aktion Gemeinsam mehr (Er-)Leben – Bierdeckel gegen Vorurteile wurden insgesamt 25.000 Deckel mit gängigen Vorurteilen auf der einen und Fakten und Informationen auf der anderen Seite im Raum Dresden verteilt. So kann kostengünstig eine große Zahl von Besuchern in Gaststätten, Restaurants, bei Tagungen, Ausstellungseröffnungen und Stammtischen erreicht und auf das Thema aufmerksam gemacht werden. Mit dem Preisgeld in Höhe von 3000 Euro möchte der Psychosoziale Trägerverein Sachsen die Aktion auch auf andere Regionen übertragen.

Dritter Preisträger ist der noch junge Verein "Blaupause – eine Initiative für mentale Gesundheit im Gesundheitswesen“. Die Initiatoren setzen sich mit ihrem geplanten bundesweiten PSYrcle-Netzwerk dafür ein, dass über verschiedene Berufsgruppen hinweg seelische Gesundheit auch bei Arbeitgebern im Gesundheitsbereich offen angesprochen und in konkreten Präventionsprojekten aktiv verbessert wird. Durch Mentoren, Supervisionsgruppen und den Austausch in Online-Foren will man dazu beigetragen, dass die überproportional hohe Erkrankungsrate bei Mitarbeitern im Gesundheitswesen langfristig reduziert werden kann. Das Preisgeld in Höhe von 2000 Euro soll in den Aufbau von tandembasierten Selbsterfahrungsangeboten fließen.

Einen Anerkennungspreis erhält das Projekt #BreakingTheSilence - Programm zur Destigmatisierung psychischer Erkrankungen am Arbeitsplatz der Siemens AG. Mit dieser Aufklärungskampagne möchte der Konzern seine Mitarbeiter zu mehr Offenheit im Umgang auch mit eigenen psychischen Erkrankungen ermutigen und hat dazu drei Ziele formuliert: Wissensvermittlung, Förderung einer positiven Haltung und Ermutigung zur Unterstützung von betroffenen Mitarbeitern. Das Projekt umfasst u.a. ein gamifiziertes eLearning-Tool für Führungskräfte sowie video-basierte Begegnungen mit Kollegen, die über ihre Krankheitserfahrungen berichten. Nach Ansicht der Jury hat das Projekt #BreakingTheSilence Modellcharakter für das betriebliche Gesundheitsmanagement in Unternehmen. Dr. Ulrich Birner von der Siemens AG wird den Preis entgegennehmen.

Die Verleihung des DGPPN-Antistigma-Preises findet im Rahmen des DGPPN Kongresses im CityCube Berlin statt. Weitere Informationen: www.dgppnkongress.de

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. (DGPPN) ist die größte medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Fragen der psychischen Erkrankungen in Deutschland. Sie bündelt die Kompetenz von 9.000 Ärzten und Wissenschaftlern für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde, die in Universitätskliniken, Krankenhäusern und ambulanten Praxen sowie in der Forschung arbeiten. Sie setzt sich aktiv für die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit psychischen Erkrankungen und gegen deren Stigmatisierung ein.

Das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit ist eine bundesweite Initiative, gefördert vom Bundesministerium für Gesundheit. Zu den rund 100 Mitgliedsorganisationen zählen die Selbsthilfeverbände der Betroffenen und Angehörigen von Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie viele Verbände aus den Bereichen Psychiatrie, Gesundheitsförderung und Politik. Initiiert wurde das Bündnis 2006 von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) gemeinsam mit Open the doors als Partner des internationalen Antistigma-Programms.

Aktionsbündnis Seelische Gesundheit
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