Auftaktveranstaltung zur 9. Berliner Woche der Seelischen Gesundheit 2015 befasste sich mit dem Thema ,,Prävention und Früherkennung - eine gemeinsame Aufgabe".
Die Früherkennung und Prävention psychischer Erkrankungen in allen Lebensphasen muss zukünftig für Politik und Gesundheitsversorgung eine zentrale Rolle spielen. Dazu soll nicht nur das neue Präventionsgesetz der Bundesregierung beitragen, sondern auch eine bessere Vernetzung aller Akteure, die sich jetzt schon um die Vermeidung von Risikofaktoren in den alltäglichen Lebenswelten der Menschen bemühen.

So lautete das Fazit der hochkarätig besetzten Auftaktveranstaltung zur 9. Berliner Woche der Seelischen Gesundheit, die am 9. Oktober, einen Tag vor dem Welttag der Seelischen Gesundheit und Start der Aktionswoche, in der IHK stattfand. Rund 80 Gäste und Besucher waren der Einladung des Aktionsbündnis Seelische Gesundheit, der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und der Gesundheitsstadt Berlin gefolgt, um sich darüber zu informieren, wie die psychische Gesundheit trotz ständig steigender Belastungen in jedem Alter geschützt werden kann.

Die Fachleute aus Versorgung und Politik waren sich einig, dass eine erfolgreiche Vorsorge im Alltag jedes Einzelnen beginnen muss - angefangen von Kita und Schule über den Arbeitsplatz bis hin zum Alters-und Pflegeheim. Die Berliner Staatssekretärin für Gesundheit, Emine Demirbürken-Wegner, betonte in ihrem Grußwort die Bedeutung des Themas für die Stadt Berlin, die mit ihrem Aktionsprogramm Gesundheit in allen Bezirken sogenannte Präventionsketten durch alle Lebensalter hindurch fördern will.

Welche Rolle die psychische Gesundheit im neuen Präventionsgesetz der Bundesregierung spielt, erklärte die Leiterin der Abteilung Pflegesicherung und Prävention im Gesundheitsministerium, Regina Kraushaar, in ihrem Kurzvortrag. Es sei ihr eine Herzenssache, vor allem die primäre Prävention in den Lebensalltag der Menschen zu integrieren. Dazu gehörten Hilfsprogramme wie ,,Kids stark machen" für Kinder und Familien ebenso wie die Gesundheitsförderung in den kleinen und mittleren Unternehmen. ,,Leistungsstarke Mitarbeiter sind nicht die, die ständig ihre Grenzen überschreiten, sondern diejenigen, die gut mit ihren Ressourcen umgehen und ein kluges Selbstmanagement betreiben", so ihr Fazit. In dieser Einschätzung wurde sie auch Leiter des Beruflichen Trainingszentrums (BTZ) Berlin, Ralph Zallmann, unterstützt, der u.a. von seinen persönlichen Erfahrungen mit Stress und Burnout berichtete.

Die seelische Widerstandskraft oder Resilienz kann auch im hohen Alter noch trainiert werden und ist ein wirksamer Schutz vor psychischen Belastungen und Erkrankungen. So betonte auch Prof. Dr. med. Walter Hewer, Leiter der Gerontopsychiatrie am Klinikum Christophsbad in Göppingen und stellvertretender Referatsleiter Gerontopsychiatrie der DGPPN, dass Faktoren wie ein gesunder Lifestyle, Bildung sowie soziale und geistige Aktivität im Alter den Ausbruch von Depressionen und Demenz verhindern könnten. ,,Mit rechtzeitiger Prävention können wir die Zahl der Demenzerkrankungen um 30 bis 40 Prozent verringern", erklärte er. Ähnliches gelte auch für die Depression, unter der etwa 20 Prozent der älteren Menschen leiden. Deshalb sei das neue Präventionsgesetz auch für diese Zielgruppe besonders wichtig.

Die Perspektive der Jugend nahmen gleich zwei Referenten ein: Dr. med. Bernhard Haslinger, Leiter des Früherkennungs- & Therapiezentrums für beginnende Psychosen an der Charité (FeTZ) erklärte die Bedeutung der frühzeitigen Kontaktaufnahme mit den Betroffenen: ,,Wir sind Lotsen, die junge Menschen begleiten, beginnende Erkrankungen schnell zu behandeln. Denn die Jugend ist eine wichtige Phase bei der Erstmanifestation." Den Kontakt zu den Jugendlichen stellt das Zentrum beispielsweise über künstlerische Angebote her. So ist das FeTZ bei der Aktionswoche mit Vorträgen, der Kunstausstellung ,,Raum und Psyche" und einem Konzert in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie beteiligt.

Diana Doko, Gründerin und Vorsitzende des Vereins ,,Freunde fürs Leben" stellte die Aktion ,,600Leben" zur Suizidprävention vor. Mit einem spektakulären Flashmob vor dem Brandenburger Tor wurde auf die 600 jungen Menschen aufmerksam gemacht, die sich jedes Jahr in Deutschland das Leben nehmen. Die Aktion war ein voller Erfolg und viele Politiker folgten dem Aufruf, sogar Gesundheitsminister Gröhe half tatkräftig mit. Glaubwürdig sind die Organisatoren vor allem wegen ihrer jugendgerechten Kommunikation und erreichen damit in Schulen und verschiedenen Foren wirkungsvoll die Zielgruppe.

In der abschließenden Podiumsdiskussion waren sich alle Experten einig, dass es bei der Prävention auch darum geht, die Menschen für Symptome psychischer Störungen bei sich selbst und anderen zu sensibilisieren und den Betroffenen Brücken zur Behandlung zu bauen.

auftaktveranstaltung_programm.pdf (67.27 KB)


Diesen Artikel teilen