Die Antistigma-Studie des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit zeigt Massnahmen auf, um mit diesen Situationen besser umzugehen.

Stereotype über psychische Krankheiten sind in der Allgemeinbevölkerung weit verbreitet, zu psychisch erkrankten Menschen wird häufig Distanz hergestellt, über eigene seelische Erkrankungen nicht gesprochen. Obwohl das Thema seelische Gesundheit seit einiger Zeit eine immer zentralere Bedeutung in der politischen und gesellschaftlichen Debatte bekommt, so z.B. im Zusammenhang mit dem Europäischen Pakt zur psychischen Gesundheit (2008) und den WHO- und EU-Konferenzen zur seelischen Gesundheit, ist die Diagnose „psychisch krank“ noch immer mit einem Stigma versehen, das gravierende Folgen für die Betroffenen hat. Es schadet dem Selbstwertgefühl und den sozialen Netzwerken, verschlechtert den Krankheitsverlauf und reduziert die Lebensqualität.

Die Studie „Konzeption und Umsetzung von Interventionen zur Entstigmatisierung seelischer Erkrankungen: Empfehlungen und Ergebnisse aus Forschung und Praxis“ des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit zeigt Massnahmen auf, um mit diesen Situationen besser umzugehen.

Es konnte zum Beispiel gezeigt werden, dass Interventionen vor allem dann wirksam sind, wenn sie interaktiven Kontakt zu Betroffenen integrieren und von gesellschaftlichen Massnahmen begleitet werden. Aber nicht alle Massnahmen erreichen ihr Ziel. Bestimmte Interventionen können sogar kontraproduktiv wirken, wie öffentlicher Protest gegen diskriminierende Darstellung, der nicht von anderen Massnahmen begleitet wird.

Die Analyse der Antistigma-Massnahmen, die in den letzten Jahren umgesetzt wurden, ergab, dass Antistigma-Arbeit vor allem auf lokaler Ebene erfolgt. Gerade in Deutschland zeigt sich auf dieser Ebene sehr viel Engagement und damit ein grosses Potential.

Gleichzeitig konnte gezeigt werden, dass Impulse durch nationale Kampagnen oder internationale Initiativen entscheidend sind, um die Antistigma-Arbeit voranzubringen. Dies böte auch die Chance, die Qualität der Massnahmen zu verbessern, denn die Ergebnisse der Analyse weisen auf eine Schwäche bei der Umsetzung von Antistigma-Massnahmen hin, die darin zu liegen scheint, dass diese häufig sehr unspezifisch im Hinblick auf Zielgruppe und Zielsetzung aufgebaut sind. Dieses Ergebnis geht einher mit Schwächen in der Evaluierung und damit in der Möglichkeit wissenschaftlich fundierter Aussagen zur Wirkung der Projekte. Die Konzeption vieler Antistigma-Projekte, die eine Verbindung von Aufklärungsmassnahmen und Kontakt zu Menschen mit psychischen Erkrankungen vorsieht, ist insgesamt sehr positiv zu bewerten.


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