Young man with Speech Bubbles over his head © ra2 studio @ fotolia.com
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Die Schizophrenie ist eine gravierende psychische Erkrankung aus der Gruppe der Psychosen. Sie tritt im Laufe des Lebens bei etwa 1% der Bevölkerung auf, so dass man von etwa 800,000 Betroffenen in der Bundesrepublik Deutschland ausgehen muss.

Bei der Schizophrenie kommt es zu Störungen im Denken, der Wahrnehmung, der Ich-Funktion, der Affektivität sowie des Antriebs und der Psychomotorik. Im Rahmen der Wahrnehmungsstörungen können Sinnestäuschungen (Halluzinationen) auftreten. Zusätzlich kann es zu Wahnphänomenen wie wahnhaften Gedanken oder Wahnwahrnehmungen kommen. Die Erkrankung tritt erstmals meist im Alter zwischen der Pubertät und dem dreißigsten Lebensjahr (bei Männern meist etwas früher als bei Frauen) auf und verläuft episodenhaft, jeweils mit einem oft längerdauernden (z.T. mehrjährigen) Vorstadium, einer Tage bis Wochen dauernden akuten Erkrankungsphase bei der die letztgenannten psychotischen Symptome im Vordergrund stehen, und einer oft Monate dauernden Stabilisierungs- und Rückbildungsphase. Das Erscheinungsbild der Schizophrenie kann dabei sowohl in Bezug auf die individuelle Symptomatik, deren Schweregrade als auch im Verlauf sehr vielfältig sein. Das Spektrum reicht von einer einmaligen Episode ohne bleibende Einschränkungen bis hin zu häufig auftretenden Rückfällen und chronischen Verläufen - vor allem, wenn zu spät behandelt wird und es in der Folge zu erheblichen Beeinträchtigungen im Alltagsleben kommt. Die Diagnose wird anhand von charakteristischen Leitsymptomen gemäß internationaler Richtlinien (Internationale Krankheitsklassifikation der Weltgesundheitsorganisation, der sogenannten "International Classification of Diseases", 10. Revision, abgekürzt: ICD -10) gestellt. Bevor die Diagnose "Schizophrenie" gestellt wird, müssen andere Erkrankungen, die ähnliche Symptome verursachen können, ausgeschlossen werden (siehe Ausführunge n zur Psychose). Gemäß der ICD-10-Klassifikation muss entweder fast ständig während mindestens eines Monats zumindest ein eindeutiges Symptom der Gruppe 1 - 4 vorliegen muss, oder es müssen mindestens zwei Symptome der Gruppe 5 - 8 vorhanden sein:

  1. Gedankenlautwerden, -eingebung, -entzug, -ausbreitung
  2. Kontroll- oder Beeinflussungswahn; Gefühl der Fremdsteuerung bzgl. Körperbewegungen, Gedanken, Tätigkeiten oder Empfindungen; Wahnwahrnehmungen
  3. Kommentierende oder dialogische Stimmen oder andere Stimmen, die aus einem Körperteil kommen
  4. Anhaltender, kulturell unangemessener oder völlig unrealistischer Wahn
  5. Anhaltende Halluzinationen (Wahrnehmungsstörung, bei der Sinneswahrnehmungen ohne entsprechenden äußeren Reiz auftreten) jeder Sinnesmodalität (riechen, hören, sehen, schmecken, fühlen)
  6. Gedankenabreißen oder -einschiebunge n in den Gedankenfluss
  7. Katatone Symptome (dabei handelt es sich um eine schwere Störung der Psychomotorik, die sich z.B. durch eine Verminderung psychomotorischer Funktionen wie monotones Sprechen, deutlich reduzierte Mimik und allgemeiner Bewegungsarmut aber auch in Erregungszuständen mit vermehrter Motorik, z.B. Herumlaufen, stereotypes Wiederholen bestimmter Bewegungen u.ä., äußern.
  8. Negative Symptome wie auffällige Apathie, Sprachverarmung, verflachter oder inadäquater Affekt

Der Begriff Schizophrenie wurde von dem Psychiater Eugen Bleuler (1911) eingeführt und bedeutet in der wörtlichen Übersetzung "Spaltungsirresein", was zu der falschen Vorstellung, Schizophrenie wäre gleichzusetzen mit einer gespaltenen Persönlichkeit geführt hat. Schizophrenie ist diejenige psychiatrische Erkrankung, die im Allgemeinen mit "verrückt" gleichgesetzt, und mit Attributen wie "gefährlich", "unberechenbar" oder "geistig behindert" belegt wird. Diese weit verbreiteten falschen Vorurteile sowie die negativen Erfahrungen des "Ausgegrenzt-Werdens" auf Grund einer Erkrankung führen dazu, dass die Betroffenen sich lange Zeit niemanden anvertrauen und nicht oder viel zu spät Hilfe suchen. Das Stigma, als vermeintlich verrückt abgestempelt zu sei n, und die daraus resultierende Angst vor Diskriminierung behindern die soziale Reintegration von Menschen, die eine schizophrene Episode erlebt haben. Sowohl das verzögerte Hilfesuchverhalten im Vorfeld der Erkrankung wie das Erleben von sozialer Distanzierung nach einer akuten Krankheitsepisode beeinflussen den Krankheitsverlauf negativ, weshalb Stigma auch als zweite Krankheit bezeichnet wird. Die Ursachen einer schizophrene Psychose sind nicht eindeutig geklärt. Diskutiert wird ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die in jedem Einzelfall in einer individuellen Kombination zum Ausbruch der Erkrankung führen. In Fachkreisen wird versucht, dieses multifaktorielle Geschehen mit Hilfe verschiedener Modelle, u.a. des Vulnerabilitäts-Stress-Coping-Modells, zu erklären. Dieses geht davon aus, dass unter Belastung bei einer vorhandenen Disposition (genetisch, hirnorganisch und/oder psychisch) das individuelle Vermögen belastende Lebensereignisse zu bewältigen, an seine Grenzen stößt und sich dann im psychotischen Erleben ausdrückt. Zur Behandlung schizophrener Erkrankungen stehen heute eine Reihe sehr wirksamer antipsychotischer Medikamente sowie psychotherapeutische und soziotherapeutische Verfahren zur Verfügung, die zu individuellen Behandlungsplänen zusammengestellt werden. Über eine solche mehrschichtige Behandlung kann in der Akut- und Langzeitbehandlung eine Symptomremission und Rückfallprophylaxe in ca. 70% der Fälle erreicht werden. So bietet eine konsequent durchgeführte medikamentöse Therapie in Verbindung mit den sich stetig weiter entwickelnden Behandlungsmöglichkeiten der Psychotherapie und Soziotherapie für die meisten Betroffenen eine realistische Chance auf ein "normales" Leben. Allerdings lassen sich auch bei erfolgreichen Behandlungen belastende Nebenwirkungen und Restsymptome nicht immer ganz verhindern.

Text in Zusammenarbeit mit: Kompetenznetz Schizophrenie (KNS) www.kompetenznetz-schizophrenie.de

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