open mind #1 © Flexmedia @ fotolia.com
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Unter diesem Begriff wird eine Gruppe von schweren psychischen Störungen zusammengefasst, bei denen es zu einem vorübergehenden weitgehenden Verlust des Bezugs zur Realität, oftmals verbunden mit einer fehlenden Krankheitseinsicht kommen kann.

Zu den typischen psychotischen Symptomen zählen Wahnerleben (von der Erfahrung unabhängige falsche Überzeugung von der Realität) und/oder Halluzinationen (Sinneswahrnehmungen ohne reale Reizgrundlage). Psychotische Symptome sind besonders häufig und ausgeprägt bei schizophrenen Störungen („schizophrene Psychose“), bei denen diese Phänomene primär in der akuten Erkrankungsphase auftreten und als maßgebliches diagnostisches Kriterium gelten. Psychotische Symptome finden sich auch bei das Gefühlsleben betreffenden affektiven Störungen („affektive Psychose“), z.B. einer schweren Depression, einer bipolaren Störung mit sowohl manischen als auch depressiven Phasen, oder als Reaktion auf ein traumatisches Erlebnis im Rahmen einer posttraumatischen Belastungsstörung. Schließlich können psychotische Symptome auch im Rahmen verschiedener organischer Erkrankungen auftreten („organische Psychose“), z.B. bei einem Hirntumor oder bei einer Abhängigkeitserkrankung - sowohl als Folge der akuten Intoxikation als auch als Entzugssymtom, z.B. das Delir im Rahmen eines Alkoholentzugs-Syndroms. Psychotische Phänomene werden von den Betroffenen als real wahrgenommen, obwohl diese objektiv nicht vorhanden sind. Ein solchermaßen gestörtes Realitätserleben kann sich u.a. äußern in:

  • in Wahnsymptomen, d.h. der Betroffene erlebt eine Realität, die sich nicht mit dem Realitätserleben der anderen Menschen deckt und für die er keine äußeren Beweise braucht. Typischerweise ist der Betroffene von der Wahrhaftigkeit des Erlebten unkorrigierbar überzeugt. Dies äußerst sich z.B. in der bei schizophrenen Störungen häufig zu findenden Überzeugung, von anderen verfolgt werden, der eher bei affektiven Störungen auftretenden Überzeugung zu verarmen, außergewöhnlich minderwertig oder an allem Unheil schuld zu sein oder auch in extrem eifersüchtigem Verhalten, das häufig bei Alkoholerkrankungen und Demenzen zu finden ist.
  • in Halluzinationen - eine Form der Wahrnehmungsstörung, bei der Sinneswahrnehmungen ohne entsprechenden äußeren Reiz auftreten, z.B. Stimmenhören (akustische Halluzination - kommentierende oder dialogische Stimmen), Sehen von nicht vorhandenen Gegenständen oder Personen (optische Halluzination), Fehlwahrnehmung übler Gerüche (olfaktorische Halluzination) etc.
  • einer Störung der Ich-Umwelt-Grenzen, die im Denken z.B. durch ein Gefühl gekennzeichnet sind, die Gedanken würden von extern eingegeben oder würden sich auf andere Personen ausbreiten. Im Erleben können die eigene Person oder Objekte der Umwelt als verändert, fremd, nicht zu-sich-gehörig oder unwirklich erlebt werden.

Auch bei psychisch Gesunden können kurzzeitig solche psychotischen Phänomene auftreten - vor allem akustische Halluzinationen, aber auch Beziehungsideen -, ohne dass diesem Erleben direkt ein Krankheitswert zukommt.

Text in Zusammenarbeit mit: Kompetenznetz Schizophrenie (KNS) www.kompetenznetz-schizophrenie.de


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